Das soll Yoga sein?
Wie alles vor mehr als 10 Jahren begann
Vor fast 15 Jahren bin ich nach Weilheim gezogen. Neuer Job, neue Kollegen, fremde Stadt und alles war ziemlich stressig. Jeden Abend saß ich allein in meiner Wohnung, hatte natürlich nichts vor und langweilte mich.
Irgendetwas wollte ich anfangen. Ein Hobby, bei dem man Leute kennenlernt.
Eine Nachbarin empfahl mir einen Yogalehrer. Zu dem müsste ich unbedingt mal hin, der macht das ganz toll, da kann man jederzeit einsteigen, überhaupt nicht schlimm.
Also fuhr ich an einem Sonntag hin.
Dieser Lehrer war aber leider im Urlaub und seine Vertretung, eine junge schlanke Yoga-Lehrerin, begann die Stunde mit lauter Musik und Aufwärmübungen, die für mich alleine schon als komplettes Sportprogramm gereicht hätten.
Ich habe noch nie in meinem Leben so geschwitzt. Ich habe mich durch diese Stunde gequält und mich danach mit hochrotem Kopf gefragt: Das soll Yoga sein? Wie soll man denn dabei entspannen können?
Für mich war klar: auf keinen Fall meine Art von Sport. Sportlich war ich sowieso nie besonders.
Das war für eine ganze Weile meine letzte Yogastunde.
Bis die Nachbarin nachsetzte. Probier es doch noch einmal, jetzt ist er wieder da, der macht das ganz anders.
Und es war ganz anders. Nach der Stunde war mein Körper entspannt und meine Gedanken waren ruhig. Da habe ich zum ersten Mal verstanden, wovon eigentlich alle reden.
Danach habe ich noch einen Anfängerkurs gemacht, um den Hintergrund zu verstehen. Und bin beim Yoga hängen geblieben.
Es fing damit an, dass sich eine Yogalehrerin den Fuß brach
Yoga zu unterrichten stand nie auf meiner Liste.
Ich war damals schon Heilpraktikerin und arbeitete viel mit Schmerzpatienten. Und mein Ziel damals war es für diese Schmerzpatienten einmal in der Woche eine Art „Gymnastik-Stunde“ anzubieten, damit sie auch regelmäßig ihre Übungen machen. Denn Übungen bekamen sie ja fast alle mit, aber zu Hause gemacht wurden sie trotzdem selten. Ich dachte mir, in der Gruppe fällt es leichter.
Dafür habe ich meine Schmerztherapie-Ausbildung nach Liebscher und Bracht noch mit einer Faszien-Yoga-Ausbildung ergänzt, um noch mehr Übungen zu lernen und so eine Gruppe führen zu können.
Selbst bin ich weiter zu den Yoga-Stunden im Fitnessstudio mindestens 2x wöchentlich gegangen. Als sich dort eine andere Yoga-Lehrerin den Fuß gebrochen hat, wurde ich gefragt, ob ich die Vertretung übernehmen würde. Ich war gerade frisch mit meiner Ausbildung fertig und das wäre doch eine super Chance, gleich zu unterrichten.
Ich war so aufgeregt bei meinen ersten Stunden, aber die Teilnehmer waren gnädig und geduldig mit mir.
Aus der Krankheitsvertretung wurde eine eigene Stunde. Weil mir das so viel Spaß machte, kamen danach die 200-Stunden-Ausbildung und die 300-Stunden-Ausbildung dazu. Später Yin-Yoga, Yoga und Krebs, Akupressur und Yoga.
Bei jeder dieser Ausbildungen war für mich der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund und so suchte ich mir meine Ausbilder gezielt danach aus.
Die Ausbilderin, die ständig an mir herumzupfte
In meiner ersten Ausbildung (200h) wurde großer Wert auf die richtige Ausrichtung gelegt. Die Ausbilderin kam immer wieder zu mir und zupfte an mir herum, um mich in die richtige Position zu zwängen.
Das war so demotivierend. Ich hatte durchgehend das Gefühl, alles falsch zu machen. Rückblickend war es eine gute Schule, um die Haltungen (Asanas) gut zu lernen und zu wissen, wie es richtig geht und auf was beim Unterrichten zu achten ist. Trotzdem wollte ich so nie unterrichten.
Für die 300-Stunden-Ausbildung habe ich mir deshalb bewusst jemand anderen gesucht. Ich bin zu Patrick Broome nach München gegangen. Unterrichtet haben verschiedene Ausbilderinnen und Ausbilder aus seinem Team, aber hingegangen bin ich vor allem wegen ihm, weil er so unterrichtet, dass man sich wohlfühlt.
Er hat mit Worten angeleitet und die Hände bei sich gelassen. Er hat auch mal gelobt. Und er hat uns das Gefühl gegeben, wir würden gerade das beste Yoga aller Zeiten machen.
In einer Welt, in der ständig auf Leistung trainiert wird und der Rotstift angesetzt wird, sollte man wenigstens beim Yoga das Gefühl haben dürfen, gut zu sein, wie man ist.
Von ihm habe ich mir das abgeschaut, und ich mache es heute noch so.
Die 300 Stunden habe ich vor allem für die Erfahrung gemacht und für eine andere Art, zu unterrichten. Gebraucht habe ich sie auch für die Zulassung bei der Zentralen Prüfstelle Prävention. Deshalb werden einige meiner Kurse heute von der Krankenkasse bezuschusst.

Dann kam Corona, und Lui kam dazu
Ich habe ziemlich schnell alle Kurse auf online umgestellt. Und im Nachhinein war das mein wichtigster Schritt in die Selbständigkeit. Seither ist der größte Teil meiner Kurse online, ergänzt von ein paar Kursen vor Ort und den Retreats.
Und alle die schon mal einen Online-Kurs bei mir gemacht haben, kennen sicherlich auch meinen Kater Lui. Auch er ist jetzt schon seit über 5 Jahren bei mir und genießt seine Gastauftritte während der ein oder anderen Online-Stunde.
Dann legt er sich mitten auf die Matte, streckt sich ausgiebig und zeigt, wie es aussehen kann. Wenn er sich mal länger nicht blicken lässt, fragt sofort jemand nach, was mit ihm los ist.
Den Rest der Stunde liegt er hinter der Kamera in seiner Hängematte. Er ist der eigentliche Meister der Entspannung.


Und vor knapp drei Jahren habe ich mich selbständig gemacht. Auch das hatte ich nicht geplant.
Oft muss man einfach mutig vorangehen und Chancen ergreifen. Und dann entsteht etwas, wovon man anfangs nicht mal geträumt hat.
Und Sylt?
Zwei Geschichten gehören noch dazu, die passierten schon viel früher.
Ziemlich früh kam die erste Yoga-Reise dazu, und die ging nach Sylt – meiner Lieblingsnordseeinsel.
Für mich war das anfangs so eine Art „Travel and Work“. Ich stellte mir die Frage, wie kann ich einmal im Jahr Nordseeluft schnuppern und mir trotzdem noch einen zusätzlichen Urlaub leisten.
Inzwischen ist aus einmal im Jahr zweimal geworden, denn Sylt macht sychtig. Und falls dich Sylt auch interessiert, hier habe ich einen Blog-Artikel dazu geschrieben: Elfmal Sylt mit Yogagruppe

Meine allerschlimmste Yoga-Erfahrung: Zwei Wochen Mallorca, im August
Kurz nach meiner 200h Ausbildung habe ich ein vermeintlich mega Angebot gelesen: Eine Finca auf Mallorca sucht für 2 Wochen eine Yoga-Lehrerin. Morgens und abends Yoga unterrichten, dazu musste man sich um den Blumenschmuck im Speisesaal kümmern. Unterkunft und Verpflegung frei. Den Flug musste man selbst bezahlen.
Das Prinzip kannte ich also von Sylt schon. Nur waren diesmal die Insel fremd, die Gruppe fremd und die Leitung auch.
Vielleicht ein wenig naiv bin ich voller Vorfreude dort hingeflogen.
Die Gruppe war so gemischt, wie eine Gruppe nur sein kann. Frauen Anfang zwanzig und eine Frau von fünfundsiebzig. Eine Schwangere. Eine Yogalehrerin. Eine Teilnehmerin, für die ich jede einzelne Haltung anpassen musste. Und dazwischen Frauen, die einfach eine entspannte Auszeit wollten.
Dazu fünfunddreißig Grad. Und ich, mit relativ wenig Unterrichtserfahrung, wollte es allen recht machen.
Am dritten Tag hieß es, es sei zu langsam. Also machte ich es schneller und anstrengender. Danach hieß es, bei der Hitze sei das viel zu viel.
Jeden Tag musste ich bei der Leitung antreten, weil sich irgendeine Teilnehmerin beschwert hatte und mich rechtfertigen. Nachmittags am Pool wurde mir dann freundlich zugelächelt.
Abends saß ich heulend auf dem Zimmer und wollte abreisen.

Was die Chefin zu mir sagte
Wenn du jetzt abreist, wirst du immer das Gefühl haben, es nicht geschafft zu haben. Diese Woche kannst du sowieso nicht mehr retten. Aber du kannst morgen früh vorne stehen und deine Art von Yoga machen. So, wie du es für richtig hältst. Wem es nicht passt, der kann gehen.
Und dann: Versuch nicht, es allen recht zu machen. Das wirst du nie schaffen.
Übermorgen reist diese Gruppe ab, sagte sie. In der Woche darauf fängst du gleich so an.
Es war gefühlt die schlimmste Woche meiner Zeit als Yogalehrerin. Und im Nachhinein wirklich die lehrreichste.
Seitdem schreibe ich bei meinen Reisen dazu, dass das Niveau bei Anfängern und Mittelstufe liegt. Ich sage vorher, was jemanden erwartet. Und ich vergleiche mich viel weniger mit anderen Yogalehrerinnen.
Meine Liebe galt immer der Medizin
Ich war Heilpraktikerin, lange bevor ich Yogalehrerin wurde. Über die Jahre ist dieser Teil bei mir immer weiter nach hinten gerutscht.
Yoga zu unterrichten macht mir großen Spaß. Und trotzdem war da immer die Medizin.
Irgendwann war es Zeit, sie zurückzuholen.
Zwei Dinge kamen dabei zusammen.
Ich hatte selbst über Jahre gynäkologische Beschwerden. Ich habe mir eine Meinung nach der anderen eingeholt, und am Ende hieß es meistens: Das ist eben so, damit müssen Sie leben.
Und in meinen Kursen erzählten mir die Frauen, warum sie mit Yoga anfangen und mit welchen (Wechseljahrs-) Beschwerden sie jeden Tag zu kämpfen haben.
So habe ich gesehen, wie groß der Bedarf an Aufklärung ist.
Seit zwei Jahren liegt ein Schwerpunkt deshalb wieder auf der Heilpraktik. Für Frauen, denen es geht wie mir damals. Die sich natürliche Hilfe wünschen und sich mit „ab 40 ist das normal“ nicht zufriedengeben wollen.
Und damit entwickelte sich auch meine Website weiter – mit neuen Texten und tollen neuen Bildern, dank der wunderbaren Fotografin Melanie (Melanies Augenblicke in Schongau). Hier ein paar meiner Lieblingsbilder:



Komm einfach so, wie du bist
In den Yogaschulen, in denen ich gelernt habe, waren die anderen sportlicher als ich. Schlanker. Beweglicher. Ich habe mich damals ernsthaft gefragt, ob ich eine gute Yogalehrerin sein kann, wenn ich das alles nicht mitbringe.
Nach zehn Jahren kann ich die Frage beantworten. In meinen Stunden sind Frauen, die vom ersten Tag an dabei sind. Manche waren am Anfang genauso unbeweglich wie ich. Und ich sehe, was in diesen Jahren passiert ist.
Mit der Zeit werden die Haltungen leichter. Mit der Zeit weißt du, wie sie aussehen sollen. Mit der Zeit kannst du fast mit geschlossenen Augen mitmachen und nur noch den Worten folgen. Am Anfang ist alles schwer, weil der Kopf ständig mitredet: Mache ich das richtig? Schaut das aus wie bei der Nachbarin?
Ich gehe nicht durch die Reihen und korrigiere. Ob ein Fuß fünfundvierzig oder sechzig Grad hat, ist mir gleich, solange sich niemand verletzt. Ich gebe die Richtung vor, und der Rest kommt von selbst.
Was mir wichtig ist: Du sollst aus der Stunde gehen und sagen können, das war schön, ich habe etwas für mich getan. Ich bin entspannt. Und nicht: Sogar beim Yoga kriege ich es nicht hin.
Also komm so, wie du bist. Unbeweglich, in dem Outfit, in dem du dich wohlfühlst, und ohne zur Nachbarin zu schauen.
Auf die nächsten zehn Jahre
Aus einer Krankheitsvertretung ist das hier geworden. Darauf wäre ich damals nicht gekommen.
Ich hatte nie einen Plan. Ich habe Chancen ergriffen, ohne zu wissen, wohin sie führen. Ich bin nun nicht nur Heilpraktikerin und Yoga-Lehrerin sondern auch Buchhalterin, Technikerin, Texterin und manchmal auch Seelentrösterin.
Gelernt habe ich in diesen Jahren vor allem drei Dinge.
- Vergleiche dich nicht mit anderen, mach dein Ding und sei stolz auf das was du geschaffen hast.
- Und ein kleiner Schritt am Tag ergibt nach zehn Jahren eine ziemlich große Veränderung.
- Ob eine Yogastunde gut war, zeigt sich daran, wie du dich danach fühlst.
Was in zehn Jahren ist, weiß ich nicht. Ich vertraue darauf, dass sich wieder Chancen ergeben. Vielleicht stehe ich dann ganz woanders.
Auf die nächsten zehn Jahre.
Prost, eure Claudia

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Und wer schreibt hier?
Was du spürst, zählt. Nach diesem Satz arbeite ich – auf der Yogamatte und in der Frauenheilkunde.
Ich bin Claudia. Ich kenne die Medizin von innen und habe irgendwann gemerkt, was mir daran fehlt: die Zeit, genauer hinzuschauen. Heute begleite ich Frauen ab 40 durch die Wechseljahre und unterrichte Yoga, das nichts von dir verlangt.
Zu diesem Thema kam ich durch eigene Beschwerden und das Gefühl, damit nicht richtig gehört zu werden. Heute weiß ich, wie vielen Frauen es genauso geht.
Bei mir darfst du üben, so gut du es heute kannst. Für jeden Körper.
Heilpraktikerin seit 2006 · Yoga-Therapeutin, 1000h+ · ganzheitliche Frauenheilkunde




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