Elfmal Sylt mit Yogagruppe – warum mich diese Insel nicht mehr loslässt
Kennst du einen Ort, an dem es sich wie Heimkommen anfühlt? An dem du wirklich nur für dich sein kannst?
Für mich ist das Sylt. Wenn ich mit dem Zug über den Hindenburgdamm fahre und in Westerland ankomme, wird das „andere“ Leben leiser. Schwächer. Als ob der Wind alles Laute mit sich nimmt, kaum dass ich einen Fuß auf die Insel gesetzt habe.
Gerade komme ich von meiner elften Sylt-Woche mit einer Yogagruppe zurück. Insgesamt war ich jetzt fünfzehnmal auf der Insel. Und wenn ich ehrlich bin: Es werden noch viele Male mehr.
Das ist ungewöhnlich für mich. Ich bin eigentlich eine, die gerne neue Länder und Orte entdeckt. Immer wieder an denselben Platz zu fahren – das kannte ich bis zu meinem dreißigsten Geburtstag nicht. Wie es trotzdem dazu kam, möchte ich dir heute erzählen.
Zu meinem dreißigsten Geburtstag hatte ich einen einzigen Wunsch: einmal nach Sylt. Wir waren vorher immer nur im Süden im Urlaub gewesen, und Sylt kannte ich nur aus Erzählungen. Aber irgendetwas zog mich dorthin.
Das Wetter war, nun ja, nicht das, was man sich für einen Geburtstagsurlaub wünscht. Trotzdem war ich sofort verzaubert. Der Wind. Das Meer. Diese beiden Seiten der Insel – die ruhige Wattenseite und vor allem die wilde Westseite mit ihrer rauen Nordsee. Ich wusste damals nicht, wie man sich in eine Insel verlieben kann. Jetzt weiß ich es.
Ein paar Jahre später bin ich allein nach Westerland gefahren. Allein in den Urlaub – für manche eine Herausforderung, für mich war Sylt genau der richtige Ort dafür, weil ich mich schon auskannte und mich sofort wieder wohlfühlte.
Und dann kam das Yoga in mein Leben.
Aus der Idee wurde ein Retreat
Beim nächsten Sylt-Urlaub mit einer Freundin war die Idee plötzlich da: Was wäre, wenn ich diese Insel einmal im Jahr mit meinem Beruf verbinden könnte? Eine Art „travel and work“ – Yoga-Urlaub geben, die Insel erleben, und gleichzeitig Zeit und Raum für andere Reisen haben, weil ich ja gerne auch andere Länder entdecke.
So entstand die erste Sylt-Gruppenreise – mein Retreat „Yoga am Meer“. Ich habe mir die Akademie am Meer in Klappholttal ausgesucht – die Preise waren fair, das Haus bot bereits andere Kursangebote, es passte einfach.
Luxus darfst du dort nicht erwarten. Die Zimmer sind einfach, funktional, ehrlich – wer fünf Sterne sucht, ist hier falsch. Was die Akademie unschlagbar macht, ist die Lage. Direkt hinter den Dünen. In drei Minuten stehst du am Meer und kannst stundenlang an einem fast menschenleeren Strand entlanglaufen, vor allem in der Nebensaison. Genau dafür kommt man hierher.
Die erste Gruppe bestand aus sechs Personen. Und gleich beim ersten Mal lernten wir, was „gemeinsam durch etwas hindurch“ wirklich bedeutet.
Ein Sturm hatte die Bahn lahmgelegt. Der Zug nach Sylt: gestrichen. Umdrehen, nach Hause fahren, alles absagen – das wäre d ie vernünftige Option gewesen. Wir haben uns anders entschieden. Mit viel Mühe haben wir es bis Hamburg geschafft, dort übernachtet, und sind erst 24 Stunden später auf der Insel angekommen.
Manche Teilnehmerinnen von damals erzählen heute noch davon. Davon, wie sie zusammengehalten haben. Davon, wie sich eine Gruppe bildet, bevor sie überhaupt irgendwo angekommen ist. Vielleicht war das der Moment, in dem aus einer Idee ein Konzept wurde.
Wie ein Tag auf Sylt aussieht
Wenn Menschen mich fragen, was sie auf einer Sylt-Woche erwartet, antworte ich meistens: Struktur und Freiheit gleichzeitig.
Der Morgen beginnt mit Yoga vor dem Frühstück. Eher dynamisch, aber sanft. Ich achte darauf, dass jede mitkommt und dass man die Woche auch durchhält – niemand soll am dritten Tag erschöpft sein. Das Niveau passe ich an die Gruppe an, Anfängerinnen wie Fortgeschrittene finden hier ihren Platz. Manche machen Teile der Übungen am Stuhl mit – das ist völlig in Ordnung. Bei mir gibt es kein Leistungs-Yoga.
Tagsüber habt ihr frei. Das ist mir wichtig. Manche schließen sich zu kleinen Grüppchen zusammen und gehen am Strand spazieren. Andere fahren in den nächsten Ort. Wieder andere wollen einfach nur allein sein. Das funktioniert eigentlich immer gut, weil jede selbst spürt, was sie gerade braucht.
Abends, nach dem gemeinsamen Abendessen, folgt Yin Yoga. Ganz sanftes Yoga. Dehnen, entspannen, manchmal mit einer Körperreise, manchmal mit einer Fantasiereise.
Einmal in der Woche, meistens mittwochs und je nach Wetter, machen wir einen gemeinsamen Ausflug. Mein Lieblingsweg: Wir starten in Wenningstedt, laufen über die Braderuper Heide nach Kampen, kehren in der Kupferkanne auf einen Kaffee ein, wandern weiter zum Leuchtturm Kampen und zur Uwe-Düne, über das Rote Kliff zurück nach Wenningstedt. Den Rückweg mit dem Bus zur Akademie. Das sind die Stunden, in denen man nebeneinanderhergeht und plötzlich Gespräche führt, die so am Küchentisch nie passieren würden.
Muss ich yogaerfahren sein? Nein, musst du nicht.
Das ist mit Abstand die häufigste Frage, die mir gestellt wird: „Bin ich für so ein Retreat überhaupt geeignet, wenn ich noch nicht so viel Yoga gemacht habe?“
Meine Antwort: Ja. Und zwar ausdrücklich.
Viele meiner Teilnehmerinnen empfinden das Yoga fast wie ein Beiwerk – was nicht heißt, dass es nebensächlich wäre, sondern dass es sich organisch in die Woche einfügt, statt sie zu dominieren. Du kannst dir das Ganze eher vorstellen wie eine geführte Sylt-Reise, bei der Yoga den Tag rahmt. Morgens aktiv in den Tag starten, abends sanft runterkommen – dazwischen Insel, Meer, Gespräche, Freizeit.
Ich organisiere so viel wie möglich im Voraus. Ich schreibe dir, mit welchem Zug du fahren kannst und zu welcher Uhrzeit. Ich sorge dafür, dass du dich um möglichst wenig selbst kümmern musst. Genau das ist für viele Frauen der Punkt, an dem sie sich auch dann trauen, wenn sie allein reisen oder in Gruppenreisen bisher wenig Erfahrung haben.
Und das Yoga selbst? Passe ich an. Immer. An die Gruppe, an den Tag, an das, was gerade gebraucht wird.
„Ist das Wetter da oben nicht furchtbar?“
Die zweite Frage, die fast immer kommt: das Wetter. Ich bin meistens im März und im November oder Dezember mit Gruppen auf der Insel – Nebensaison. Und da schütteln viele den Kopf und denken an Regen, Grau, Sturm.
Die Wahrheit sieht anders aus. Wenn ich das Wetter auf Sylt mit dem in Süddeutschland zur gleichen Jahreszeit vergleiche, haben wir oft richtig Glück. Klar, es gibt Regentage. Aber der Wind nimmt das schlechte Wetter meistens schnell wieder mit. Und durch die Weite hat man fast immer das Gefühl, es sei heller als zu Hause. Beim letzten Mal hatten wir richtig viel Sonne. Wenn ich in der Heimat anrufe, ist es dort oft trüber als bei uns auf der Insel.
Dazu kommt der vielleicht größte Vorteil der Nebensaison: Es sind kaum Touristen da. Der Strand gehört fast uns allein. Bei den Sehenswürdigkeiten musst du nicht anstehen. Sylt zeigt sich in dieser Zeit von seiner ruhigen Seite – und genau die ist es, die mich immer wieder herzieht.
Zwei Rituale, die geblieben sind
Aus elf Sylt-Wochen sind zwei Rituale entstanden, die ich nicht mehr missen möchte.
Der Stein am ersten Tag. Am Anreisetag gehen wir zum Strand. Jede sucht sich einen Stein. Und dann lade ich die Frauen ein, diesen Stein mit allem aufzuladen, was sie mit auf die Insel gebracht haben – Sorgen, Ängste, Gedanken, die nicht loslassen. Und dann werfen sie ihn weit ins Meer. Nicht, weil die Themen damit verschwunden wären. Sondern als Erinnerung: Ich bin jetzt hier, bei mir. Der Rest darf eine Woche warten.
Die Postkarte an sich selbst. Am Ende der Woche schreibt jede eine Postkarte an sich nach Hause. In der Sylt-Woche nimmt man sich oft Dinge vor: Mehr Auszeiten. Öfter Yoga. Besser auf sich achten. Aber der Alltag hat einen oft schneller wieder, als man denkt. Ein paar Tage nach der Rückkehr liegt dann diese Postkarte im Briefkasten – und erinnert an das, was man sich vorgenommen hatte.
Warum gerade Sylt so gut tut
Als Heilpraktikerin und Yoga-Lehrerin sehe ich viele Menschen, deren Nervensystem seit Jahren auf Hochtouren läuft. Familie, Beruf, alternde Eltern, der eigene Körper, der plötzlich anders reagiert. Ruhe zu finden ist dann nicht nur ein schönes Gefühl – es ist eine körperliche Notwendigkeit.
Sylt macht etwas mit dem Nervensystem, das kaum ein anderer Ort leistet. Die Weite. Der Wind, der den Kopf buchstäblich freipustet. Das gleichmäßige Rauschen der Nordsee. Keine Reize, die dich überfluten, sondern genau die richtige Mischung aus Bewegung und Stille.
Dazu eine Woche ohne Familienverantwortung. Ohne Essen-Planen. Ohne Arbeits-Erreichbarkeit. Für viele Frauen ist das die erste Woche seit Jahren, in der sie wirklich nur für sich selbst da sind. Der Körper darf runterfahren. Cortisol, das über Monate oder Jahre erhöht war, sinkt langsam ab. Das geht nicht von heute auf morgen – aber eine Woche auf Sylt kann der Anfang sein.
Ich sehe das jedes Mal in den Gesichtern – am ersten Tag angespannt, am Ende der Woche offen und weich. Nicht, weil ich irgendetwas Besonderes tue. Sondern weil die Insel, das Yoga und die Freiheit, einfach mal nichts zu müssen, zusammen genau das tun, was der Körper ab und zu wirklich braucht.
Das Schönste: die Frauen selbst
Was mich nach elf Jahren immer noch berührt, sind die Frauen, die immer wiederkommen. Manche sind seit der ersten Gruppe dabei. Einige buchen jedes Jahr, andere alle zwei Jahre. Und es gibt Frauen, die sonst online bei mir sind und die ich nur auf Sylt persönlich sehe.
Dieses Wiedersehen ist für mich eines der schönsten Dinge an dieser Arbeit. Ich habe Frauen durch schwere Zeiten begleitet und erlebt, wie sie ein Jahr später wieder strahlen. Ich weiß, welche Hobbys sie haben, wer gerade Großmutter geworden ist, wer einen Jobwechsel hinter sich hat.
Beim Frühstück entstehen die Gespräche, die man so woanders nicht führt. Eine Teilnehmerin erzählte einmal von ihrer 45-jährigen Ehe – und was das Geheimnis sei. Ihre Antwort: „Wir haben nie den Respekt voreinander verloren.“ Eine Runde, die kurz still wurde, bevor sie wieder lachte.
An einem anderen Morgen sprachen wir darüber, wie schnell man in dieses „Du immer…“ oder „Nie machst du…“ rutscht. Bis eine sagte: „Vielleicht sollten wir einfach statt kritisieren lieber reklamieren.“ Dieses Wort hat uns die ganze Woche begleitet. Der zu heiße Kaffee? „Ich reklamiere.“ Der Wind? „Ich reklamiere.“ Und mit jedem Mal wurde klar: Reklamieren klingt leichter. Liebevoller. Man bleibt ehrlich, aber nimmt sich selbst weniger ernst.
Das sind die Momente, die bleiben. Nicht die Yogastunden. Nicht die Wanderungen. Sondern diese Gespräche, die plötzlich tief werden, obwohl man nur beim Frühstück sitzt.
Sylt ist ein Gefühl
Man sagt, Sylt sei nicht einfach eine Insel oder ein Ort – sondern ein Gefühl. Ich glaube, das trifft es ziemlich genau. Entweder man mag es, oder man mag es nicht. Dazwischen gibt es kaum etwas.
Für mich ist Sylt der Ort, an dem mein Kopf leer wird, sobald der Wind mir ins Gesicht weht. Und offenbar geht es vielen Frauen ähnlich – sonst wären sie nicht immer wieder dabei.
Ich habe vor einiger Zeit in einem Bus auf der Insel einen Spruch gelesen, der mich seitdem nicht mehr loslässt: Sylt macht sychtig. Genau so geschrieben – mit „y“. Und ich muss zugeben: Bei mir stimmt das. Fünfzehn Aufenthalte sprechen eine ziemlich klare Sprache.
Und hier noch ein bisschen mehr Sylt-Gefühl:
Wenn du auch einmal dabei sein möchtest
Ich fahre zweimal im Jahr mit einer kleinen Gruppe nach Sylt – mein Retreat „Yoga am Meer“. Die nächsten Termine und alle Details zur Buchung findest du auf meiner Website. Wenn du dich angesprochen fühlst, schau gerne vorbei – oder melde dich bei mir, wenn du Fragen hast.
Aktuelle Termine findest du immer hier auf meiner Retreat-Seite!
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