Bevor du deinen Hormonspiegel testen lässt – schau zuerst hierhin

Bevor du deinen Hormonspiegel testen lässt – schau zuerst hierhin

 

Vielleicht kennst du das: Du schläfst schlecht, bist tagsüber gereizt, dein Kopf fühlt sich wie in Watte gepackt an – und irgendwie stimmt einfach irgendetwas nicht. Dein erster Gedanke: Hormone. Und der ist nicht falsch. Aber er ist möglicherweise zu früh.

Bevor du den nächsten Schritt Richtung Hormontest oder Supplementierung gehst, gibt es eine Frage, die ich meinen Patientinnen immer zuerst stelle: Wie läuft deine Verdauung?

Die Antwort darauf sagt mir mehr, als viele Laborwerte es könnten.


Dein Darm ist kein Verdauungsrohr. Er ist ein Hormonsystem.

Das ist der Moment, an dem die meisten Frauen kurz aufhorchen. Denn ja – dein Darm produziert Hormone. Nicht nur Östrogen und Progesteron kommen aus den Eierstöcken. Ein Großteil deiner Serotonin-Produktion – rund 90 % – findet im Darm statt.

Serotonin ist nicht nur dein „Glückshormon“. Es ist auch Schlüsselakteur für Stimmungsregulation, für einen ruhigen Schlaf und für eine ausgeglichene Schmerzwahrnehmung. Wenn der Darm aus dem Takt gerät, gerät dein gesamtes hormonelles Gleichgewicht mit.


Was sich ab 40 im Darm verändert – und warum das kein Zufall ist

Östrogen schützt nicht nur die Knochen und das Herz. Östrogen hat auch eine direkte Wirkung auf die Darmschleimhaut. Es hält sie geschmeidig, durchlässig genug für Nährstoffe, aber dicht genug, um Entzündungen draußen zu halten.

Wenn der Östrogenspiegel in der Perimenopause zu schwanken beginnt – was häufig schon Mitte 30, Anfang 40 passiert, lange bevor die Periode ausbleibt – verändert sich auch das Milieu im Darm. Die Schleimhaut wird anfälliger. Das Mikrobiom, also die Gemeinschaft deiner Darmbakterien, verschiebt sich. Und eine bestimmte Gruppe von Bakterien, das sogenannte Estrobolom, verliert an Funktion.

Das Estrobolom ist verantwortlich für die Rückverwertung von Östrogen. Es nimmt verbrauchtes Östrogen auf, das über die Leber abgebaut und in den Darm abgegeben wurde, und macht es wieder nutzbar für den Körper. Wenn das Estrobolom gestört ist, wird zu viel Östrogen ausgeschieden – oder zu viel wieder in den Blutkreislauf aufgenommen. Beides ist ein Problem.

Das Ergebnis: Hormonschwankungen, die sich verstärken. Nicht weil die Eierstöcke versagen, sondern weil der Darm aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Darm-Hirn-Achse – ein kurzer Blick

Dein Darm und dein Gehirn stehen in ständigem, direktem Kontakt – über den Vagusnerv, über Botenstoffe, über das Nervensystem. Was im Darm passiert, landet als Signal im Gehirn. Was das Gehirn unter Stress verarbeitet, wirkt sich auf die Verdauung aus.

Das ist keine Metapher. Das ist Neurophysiologie – und ein Thema, dem ich in einem eigenen Artikel noch viel mehr Raum geben werde. Denn es erklärt unter anderem, warum Schlafprobleme und Stimmungstiefs in der Perimenopause so oft mit dem Darm zusammenhängen.


Nährstoffe aufnehmen – oder Hormone herstellen?

Dein Körper baut Hormone aus Rohstoffen. Magnesium, Zink, B-Vitamine, gesunde Fette – das sind die Bausteine. Und wo werden diese Bausteine aufgenommen? Im Darm.

Ein Darm, der gereizt ist, der eine durchlässige Schleimhaut hat – Stichwort „Leaky Gut“ – nimmt diese Nährstoffe schlechter auf. Du kannst essen und supplementieren, so viel du möchtest. Wenn der Darm die Nährstoffe nicht verarbeiten kann, kommen sie nicht an.

Das erklärt, warum manche Frauen trotz Supplementen keine Verbesserung spüren. Nicht das Supplement fehlt – sondern die Aufnahmefähigkeit.

Bevor du also anfängst, Hormone zu testen und zu ergänzen: Prüf, ob dein Darm überhaupt in der Lage ist, das Fundament dafür zu legen.


Was dein Stuhlgang dir verrät – bevor du ins Labor gehst

Fang beim Stuhlgang an – auch wenn du am liebsten darüber hinweggehen würdest.

In meiner Praxis erlebe ich es immer wieder: Ich frage, wie der Stuhlgang ist – und die Antwort kommt schnell und routiniert. „Ja, ganz normal. Einmal täglich, manchmal alle zwei Tage.“ Und dann geht es weiter zum nächsten Thema. Als wäre die Frage schon beantwortet.

Dabei ist sie das oft nicht. Denn über den Stuhlgang spricht man nicht gerne. Das ist irgendwie privat, vielleicht sogar unangenehm – selbst unter vier Augen in der Praxis. Ich verstehe das. Und trotzdem lege ich so viel Wert darauf, weil er mir ohne einen einzigen Labortest verrät, was im Verdauungssystem gerade wirklich los ist.

Damit du dir selbst einen ersten Eindruck verschaffen kannst – ohne dass du darüber reden musst – hier ein paar konkrete Dinge, auf die du achten kannst:

Ist dein Stuhl schmierig, klebt er am Toilettenpapier oder glänzt er fettig? Das kann ein Hinweis sein, dass Fette nicht vollständig verdaut werden. Und das betrifft direkt deine Hormonproduktion – denn Hormone werden aus Fetten gebaut. Wenn die Fettverdauung nicht stimmt, fehlen die Bausteine.

Bemerkst du nach dem Stuhlgang ein brennendes Gefühl? Das müssen keine Hämorrhoiden sein. Es kann ein Zeichen sein, dass zu viele Gallensäuren den Dickdarm erreichen und dort die Schleimhaut reizen. Auch das hängt mit Östrogen zusammen: In der Perimenopause verändert sich die Gallenblasenfunktion – und damit, wie gut fettlösliche Nährstoffe überhaupt aufgenommen werden können.

Gehst du zwar täglich, aber nie mit dem Gefühl, wirklich fertig zu sein? Oder im Gegenteil: Bist du zwei, drei Tage ohne – und findest das völlig normal, weil es schon immer so war? Beides ist ein Signal. Nicht für eine Katastrophe. Aber für einen Darm, der Unterstützung braucht.

Wie fühlst du dich nach dem Essen? Aufgedunsen, schwer, schläfrig – auch wenn du gar nicht so viel gegessen hast? Das Gefühl, dass etwas liegt und nicht weitergeht? Das ist kein Zeichen, dass du zu viel gegessen hast. Es ist ein Hinweis auf gestörte Verdauungsenzyme oder eine gereizte Darmschleimhaut.

Und noch etwas, das häufig übersehen wird: Wiederkehrende Infekte. Erkältungen, die länger brauchen als früher. Blasenentzündungen, die immer wieder kommen. Kleinere Entzündungen, die sich ziehen. Rund 70 % deines Immunsystems sitzt im Darm. Wenn der Darm aus der Balance ist, merkt das auch deine Abwehr.

Du siehst: Das sind keine Fragen, die ein Labor beantworten muss. Dein Körper beantwortet sie jeden Morgen. Man muss nur wissen, worauf man schaut.


Was du jetzt tun kannst – ohne großen Aufwand

Ballaststoffe als Basis. Dein Mikrobiom ernährt sich von Ballaststoffen. Gemüse, Hülsenfrüchte, Leinsamen, Hafer – täglich und abwechslungsreich. Nicht als Diät, sondern als Grundversorgung.

Fermentierte Lebensmittel – mit Bedacht. Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi können das Mikrobiom unterstützen. Aber hier ist ein wichtiger Hinweis, den du kennen solltest: Fermentierte Lebensmittel sind reich an Histamin. Und in der Perimenopause reagieren viele Frauen plötzlich empfindlicher darauf – nicht weil sie allergisch sind, sondern weil schwankende Östrogenwerte die Fähigkeit des Körpers beeinflussen, Histamin abzubauen. Wenn du nach fermentierten Lebensmitteln Kopfschmerzen bekommst, dich aufgedunsen fühlst oder dein Schlaf schlechter wird – dann ist das kein Zeichen, dass du mehr davon brauchst. Dann ist dein Körper gerade nicht der richtige Kandidat dafür. In dem Fall lieber auf schonendere Präbiotika setzen: Chicorée, Topinambur, gekochte und abgekühlte Kartoffeln.

Stress ernst nehmen – auch für den Darm. Chronischer Stress verändert das Mikrobiom nachweislich. Atemübungen, Yoga, Bewegung in der Natur – all das wirkt direkt auf die Verbindung zwischen Darm und Nervensystem. Mehr dazu im Artikel Wenn der Körper nicht zur Ruhe kommt – was dein Nervensystem damit zu tun hat.

Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren. Sie fördern entzündungsfördernde Bakterien im Darm – genau das, was du in der Perimenopause nicht brauchst.

Kauen. Wirklich kauen. Studien zeigen, dass bewusstes Kauen den Parasympathikus aktiviert und den Cortisolspiegel messbar senken kann. Kauen ist also nicht nur der erste Schritt der mechanischen Verdauung, sondern auch ein direktes Signal an dein Nervensystem: Es ist sicher. Du kannst verdauen. Ein Körper im Stress verdaut nicht – er verschiebt Energie weg vom Verdauungssystem, hin zu Flucht und Kampf. Dasselbe Essen, in Ruhe gekaut, wird besser aufgenommen als dasselbe Essen, hastig hinuntergeschluckt. Nicht weil es Einbildung ist. Sondern weil dein Nervensystem den Unterschied macht.


Mein Fazit – und warum ich den Hormontest nicht verteufele

Hormonwerte können wichtige Informationen liefern. Das streite ich nicht ab. Aber ein Laborwert zeigt dir einen Moment in der Zeit – und er zeigt dir nicht, warum dieser Wert so ist.

Wenn du anfängst, deinen Darm zu unterstützen, bevor du in die hormonelle Supplementierung gehst, gibst du deinem Körper die Chance, selbst mehr zu regulieren. Du schaffst das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

Das ist Heilpraktikerin-Logik: Nicht das Symptom behandeln. Die Wurzel finden.


Dein nächster Schritt

Mehr davon im Podcast

In der nächsten Folge von FrauGefühl nehme ich dich mit in den persönlichen Nachbericht: Was hat diese Woche bei den Frauen ausgelöst? Was hat mich selbst überrascht? Und was bedeutet es, sich fünf Tage lang wirklich Zeit für sich zu nehmen?

Du findest den Podcast auf Spotify und Apple Podcasts: FrauGefühl mit Claudia Sontheimer

Jetzt Podcast-Folge anhören! 


Dein erster Schritt – der 0€ SOS-Plan

Wenn du jetzt anfangen möchtest – ohne auf das nächste Retreat zu warten: In meinem Newsletter bekommst du meinen 0€ SOS-Plan mit konkreten ersten Schritten für mehr hormonelle Balance.

Trag dich hier ein! 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert